Gefährdungsbeurteilung Homeoffice / Telearbeit

Gefährdungsbeurteilung für Homeoffice

Homeoffice, Telearbeit, mobiles Arbeiten

Beim mobilen Arbeiten wird eine Bildschirmtätigkeit außerhalb der Betriebsstätte ausgeübt, z.B. im Restaurant, Zug oder Hotel. Telearbeit stellt dabei einen Sonderfall dar. Denn die Arbeitsstättenverordnung definiert Telearbeitsplätze als „vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat“ (§ 2 Abs. 7 ArbStättV). Obwohl Homeoffice häufig synonym benutzt wird, bedeutet es lediglich die „sporadische, nicht einen ganzen Arbeitstag umfassende Arbeit mit einem PC oder einem tragbaren Bildschirmgerät (zum Beispiel Laptop, Tablet) im Wohnbereich des Beschäftigten …“ (Quelle: Ausschuss für Arbeitsstätten, ASTA).

Etwa 36 % der abhängig Beschäftigten haben im Sommer 2020 im Homeoffice gearbeitet, also ca. 15 Mio. Menschen. Zwei Drittel können sich vorstellen, auch zukünftig mehrere Tage pro Woche zuhause zu arbeiten. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es derzeit nicht. 

Für mobiles Arbeiten gelten die Forderungen aus Arbeitsschutzgesetz (u.a. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung) und Arbeitszeitgesetz (u.a. Pausen- und Ruhezeiten). Nur für Telearbeit gelten bisher weitergehende Anforderungen, die sich aus der Arbeitsstättenverordnung ergeben.

Der Gesetzgeber hat einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht: Die neuen Regelungen sollen auch für mobiles Arbeiten Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gewährleisten.

Die Gefährdungsbeurteilung gehört zu den Grundpflichten des Arbeitgebers.

 

Hintergrundinformationen

Gesetzesinitiative

Für das sog. „Mobile-Arbeit-Gesetz“ werden v.a. folgende Inhalte diskutiert:

  • Gesetzlicher Anspruch auf jährlich mind. 24 Tage Arbeit (Untergrenze) an einem außerbetrieblichen Arbeitsplatz
  • Zwingende betriebliche Gründe für eine Ablehnung
  • Mitbestimmungsrecht von Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräten
  • Digitale Arbeitszeiterfassung
  • Gefährdungen am mobilen Arbeitsplatz beurteilen

Ziel ist vorrangig, verbindliche Regeln für mobiles Arbeiten festzulegen und Versicherungslücken bei Unfällen zu schließen.

Ergonomische Gestaltung

Idealerweise ist der Bildschirmarbeitsplatz zuhause genauso ausgestattet wie im Unternehmen, dazu gehören u.a. PC, separate Tastatur, Maus und Bildschirm sowie geeigneter Schreibtisch und Bürostuhl. Wesentlich ist auch ein schneller und leistungsfähiger Internetzugang. In Regionen mit schlechter Versorgung sind ggf. z. B. Mobilfunk- oder Satellitenverbindungen erforderlich. Ein verschlüsselter Zugang ins Firmen-Netzwerk gewährleistet die geforderte Datensicherheit.

Weitere Faktoren für die ergonomische Gestaltung des heimischen Arbeitsplatzes sind Bewegungsfläche, Tageslicht und Sichtverbindung nach außen, Bildschirme frei von störenden Reflexionen und Blendungen sowie ausreichende Beleuchtung (mind. 500 lux).

Grundsätzlich ist Smartphone oder Tablet nur für eine kurze Bearbeitung geeignet. Und während für längeres Arbeiten ein Notebook und zusätzlich Tastatur, Maus, Bildschirm und geeignete Möbel erforderlich sind, reicht für stundenweises Arbeiten häufig ein Notebook ohne eine derartige zusätzliche Ausstattung aus.

Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung

Arbeitgeber müssen nach § 5 ArbSchG eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, dies gilt auch für mobiles Arbeiten. Dabei werden Arbeitsstätte, Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren, Arbeitszeit und Arbeitsumgebung systematisch untersucht und auf Gefährdungen für die Beschäftigten hin überprüft. Die Gefährdungsbeurteilung muss dokumentiert werden. Ziel der Beurteilung ist es, Gefährdungen zu vermeiden und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Für den Telearbeitsplatz muss die Gefährdungsbeurteilung bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsplatzes erfolgen (§ 1 ArbStättV) und vor Aufnahme der Tätigkeiten dokumentiert werden (§ 3 ArbStättV). Dabei muss angegeben werden, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz auftreten können und welche Maßnahmen durchgeführt werden, um eine Gefährdung auszuschließen oder zu minimieren. Dies kann z.B. ein zusätzlicher Bildschirm zum Notebook sein.

Auch Unterweisungen sind unternehmerische Pflicht (§ 12 ArbSchG). Inhalte können z.B. sein:

  • Regelungen zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeit;
  • Arbeits- und Ruhepausen;
  • Ansprechpartner im Unternehmen z. B. zu Fragen zur Arbeitssicherheit oder zu besonderen Situationen;
  • Hinweise zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und Nutzung der bereitgestellten Arbeitsmittel (z. B. Anordnen von Bildschirm, Tastatur, Maus);
  • Hinweise zur ergonomischen Sitzhaltung und zum dynamischen Sitzen (häufig wechselnde Sitzpositionen)

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