Neue IATF 16949: Unternehmen der Automobilindustrie sind gefordert

Mit der Veröffentlichung der neuen Norm für Qualitätsmanagementsysteme ISO 9001:2015 musste die bisherige ISO/TS 16949 angepasst werden. Einer der am häufigsten angewendeten internationalen Standards für die Automobilindustrie wurde daher überarbeitet und erschien im Oktober 2016 als IATF 16949. Sie ersetzt die ISO/TS 16949:2009.

Ziel ist, Produkte noch sicherer und zuverlässiger zu machen, Kundenanforderungen zu erfüllen oder gar zu übertreffen und schließlich sowohl Prozesse als auch Dokumentation zu verbessern.

Unternehmen müssen nun Änderungen identifizieren, erforderliche Maßnahmen festlegen und deren Umsetzung planen sowie Beschäftigte, z.B. interne Auditoren schulen.

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Neue Struktur

Wie die ISO 9001 ist der neue Standard nun in 10 Hauptkapitel gegliedert. Dies macht ihn kompatibel zu anderen Managementsystemen im Unternehmen und erleichtert eine Vorgehensweise gemäß Plan-Do-Check-Act (PDCA).

Ein QM-Handbuch muss erstellt und das Qualitätsmanagementsystem dokumentiert werden; allerdings besteht keine Pflicht, Struktur und Begrifflichkeiten der ISO 9001 zu übernehmen. Die Dokumentation von Struktur und Aufbau der Organisation soll leicht verständlich sein und die betrieblichen Gegebenheiten des Unternehmens abbilden.

Wie bisher baut auch die IATF 16949 auf der ISO 9001 auf. Sie enthält jedoch nicht den Normtext sondern Zusatzanforderungen, die für die Automobilindustrie spezifisch sind. Sie integriert gängige Branchenpraktiken, die bisher in kundenspezifischen Anforderungen festgelegt wurden. Unternehmen, die dem Standard entsprechen wollen, müssen auch die Forderungen der ISO 9001 erfüllen.

 

Wesentliche Änderungen

Risikobasierter Ansatz

Risikominderung steht nun im Mittelpunkt, wie dies auch in den neuen Normen für Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme gefordert wird.

Die IATF 16949 fügt spezifische risikobezogene Anforderungen hinzu, die aus Best Practices der Branche abgeleitet wurden. Ziel ist, Fehler bei der Entwicklung neuer Programme zu verhindern und geplante Aktivitäten umzusetzen.

Risikobasiertes Denken muss im Unternehmen etabliert werden. Für das Top-Management ergeben sich daraus folgende Aufgaben:

  • Notfallplanung durchführen
  • Prozesseigentümer identifizieren und unterstützen
  • Am Eskalationsprozess im Zusammenhang mit der Produktsicherheit teilnehmen
  • Gewährleisten, dass Ziele und Qualitätsziele der Kunden erreicht werden
  • Initiativen zur Unternehmensverantwortung umsetzen, u.a. Verhaltenskodex für Mitarbeiter, Umgang mit „whistle blowing“, Strategien gegen Korruption

Verantwortung in der Lieferkette

Die Organisation ist für alle Konformitäten verantwortlich und muss alle anwendbaren Anforderungen in der Lieferkette bis zum Herstellungsort herunterbrechen, d.h. sie muss die gesamte Lieferkette im Blick behalten.

Definition Kundenanforderungen und kundenspezifische Anforderungen

Um Klarheit zu schaffen, definiert der neue Standard Kundenanforderungen als alle vom Kunden vorgegebenen Forderungen. Dies können z.B. technische, kaufmännische, produkt- und herstellungsbezogene Anforderungen (Verpackungshandbücher, Richtlinien für den Herstellungsprozess) sowie allgemeine Geschäftsbedingungen sein.

Kundenspezifische Anforderungen sind dagegen Interpretationen oder ergänzende Anforderungen im Zusammenhang mit bestimmten Kapiteln der IATF 16949, wie z.B. Fertigungsmöglichkeiten, Gewährleistungsmanagement, vorübergehende Änderung der Prozesskontrollen, Kontrollplan oder Methoden zur Problemlösung.

Produktsicherheit

Völlig neu eingefügt wurde ein Abschnitt zur Produktsicherheit. Dokumentierte Prozesse müssen nun sowohl für das Management von produktsicherheitsrelevanten Produkten als auch von deren Fertigungsprozessen eingerichtet werden.

Unternehmen müssen, soweit dies für sie zutrifft:

  • eine besondere Zulassung von Kontrollplänen und FMEAs einrichten
  • erforderliche Schulungen für Beschäftigte ermitteln und durchführen, die an produktsicherheitsbezogenen Produkten und deren Herstellungsprozessen beteiligt sind
  • Anforderungen in Bezug auf die Produktsicherheit innerhalb der gesamten Lieferkette umsetzen, einschließlich kundenspezifischer Quellen

Gewährleistungsmanagement

Für das Gewährleistungsmanagement legt der neue Standard nun folgendes fest: Wenn ein Unternehmen für seine Produkte eine Garantie gewähren muss, so muss das Verfahren zum Verwalten der Garantie alle anwendbaren kundenspezifischen Anforderungen und Gewährleistungen zuordnen und integrieren.

Produkte mit Software

Für Produkte mit eingebetteter Software gelten neue Anforderungen an Produktvalidierung, Garantie und Fehlerbehebung.

Forderungen an Auditoren

Neue Anforderungen gelten auch für interne und Second-Party Auditoren: Unternehmen müssen die Kompetenz interner Auditoren prüfen und dies dokumentieren. Bei der Ausbildung interner Auditoren muss gewährleistet sein, dass der Trainer die neuen Anforderungen vermitteln kann, auch dies muss dokumentiert werden.

Organisationen müssen die Kompetenz der second-party Auditoren dokumentieren; die second-party Auditoren müssen kundenspezifische Anforderungen beurteilen können.

Es gelten Mindestforderungen an die Kompetenz von Auditoren. Evtl. vorhandene Wissenslücken müssen im Rahmen von Schulungen geschlossen werden.

Zeitrahmen

Der Übergang soll im Rahmen des regulären Auditzyklus der ISO/TS 16949 erfolgen. Ab 1. Oktober 2017 müssen alle Audits gemäß dem neuen Standard durchgeführt werden. Die Umstellung auf IATF 16949 muss bis 14. September 2018 abgeschlossen sein.

Neue IATF 16949:2016

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